Interview
Madsen über kein Bock auf Nazis, die Tricks der NPD und Rockmusik.
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Es ist wie immer, wenn du es am wenigstens erwartest,
tun sich längst verschlossen geglaubte Tore auf. Durch die rollen
gut im Futter stehende Beats über dich hinweg, gleißend helle Melodien
blenden, ultracatchy Hooklines stürzen sich auf dich und immer deutlicher
zeichnet sich die Silhouette des sympathischsten deutschen »producers
on the mic« ab.
Denyo hat die »Minidisco« von außen abgeschlossen und ist mit »The
Denyos« in die große Halle umgezogen. Er macht den Raum weit, lässt
frische Luft herein, nimmt sich mehr Zeit. Vier Jahre nach seinem
Solodebüt hält er HipHop-Deutschland einen sauber polierten Spiegel
vor und entlarvt die unnötig hart gewordenen Trümmerfrauen und -männer,
die aus den Überresten der einst strukturell so offenen und vielfältigen
Kultur allzu schnell graue, gesichtslose und lebensfeindliche Häuser
und ganze Städte zusammenzimmern, in denen keiner wirklich wohnen
will und Block Parties nicht vorgesehen sind. Während sich selbst
Mainstream-HipHop im Mutterland ein gehöriges Maß an Crunkheit gönnt
und bei aller Misogynie und Beschränktheit regelmäßig erstaunliche
und zukunftsgerichtete Forschungsanträge einreicht, hat sich HipHop
hierzulande größtenteils in präaufklärerische Zeiten zurückgebeamt.
Wo seine geschätzten Kollegen nun gerne den kulturpessimistischen
Zeigefinger aufpumpen, hat Denyo die Skepsis weitgehend in der »Minidisco«
gelassen, sich frisch gemacht und verlässt sich ganz auf seine Skillz
– Angriff ist die beste Verteidigung der eigenen Lebenswelt. Und genau
in dieser sind »The Denyos« fest verwurzelt, in einem Großteil der
elf Tracks lassen sich die Spuren von Vergangenheit und Zukunft erkennen,
von Erfolg und Rückschlägen, von Glück und Enttäuschung, Party und
der Zeit danach. Egal, ob Denyo vom vermeintlich echten Leben erzählt
oder die Fiktion feiert, eine gute Geschichte bleibt eine gute Geschichte,
wenn sie von einem guten Erzähler vorgetragen wird. Etwa die praktische
Lebenshilfe von »Fresh Air«, die dich auch in Hamburg bei Regen sofort
alle Fenster aufreißen lässt, um den Muff von gestern loszuwerden.
Oder der schwelgerisch-nostalgische Trip in eine längst verloren gegange
Welt der einfachen Dualismen, in der Komplexität ein nahezu unaussprechliches
Fremdwort schien.
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| Quelle: Denyo |
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