Interview
mit Madsen
Das sind die drei Madsen Brüder Sebastian, Johannes und Sascha,
sowie der Bassist Niko Maurer und Folkert Jahnke am Keyboard. Ihre Musik
ist eine Mischung aus Rock und Punk. 2004 gegründet landete ihr erstes
Album („Madsen“) auf Platz 23 der Charts. Unterstützt
von Universal Music tourte Madsen 2005 u.a. auf „Rock im Park“,
„Rock am Ring“ und dem „Hurricane-Festival“. Der
Sänger der Band „Tomte“, Thees Uhlmann, war schlichtweg
begeistert und schrieb: „Wenn Madsen Erfolg haben, dann ist das
nicht der vielbeschworene Zufall, sondern erstens gerecht und zweitens
Bestimmung!... die beste Debüt-LP seitdem ich über Musik schreibe.“
Johannes: Das hier ist Sascha. Da würde ich mal
erzählen, was er so macht.
Sascha: Ich stell mich selber vor. So ich bin Sascha,
ich spiel Schlagzeug und ich hab keinen Bock auf Nazis.
Volli: Ja ich bin Volli und ich schließ mich dem
an.
Nico: Ich bin Nico der Bassist.
Sebastian: Hallihallo ich bin Sebastian, auch von der
Band Madsen, ich spiele da auch mit, darf auch singen.
DGB-Jugend: Ihr habt das ja gerade schon bisschen erwähnt,
kein Bock auf Nazis. Habt ihr eine besondere Motivation, einen besonderen
Anlass, hier heute in Rostock zu spielen?
Johannes: Ja also die Motivation sollte sein oder ist
bei uns sowieso, dass wir da keinen Bock drauf haben, auf den ganzen Nerv.
Ich finde, eigentlich müsste das so sein, dass man sich da gar keine
Gedanken drüber macht, oder?
Sascha: So müsste es eigentlich sein.
Johannes: Und da man aber damit konfrontiert wird, mit
diesem ganzen braunen Scheiß, mit diesem Nazidreck, muss man da
ja irgendwie drauf reagieren und handeln. Und das ist natürlich eine
gute Ausgangsform hier teilzunehmen und zu spielen und zu sagen „Hier
wir haben das gemerkt, wir finden das nicht gut, wir sind dagegen.“
Was meist du?
Sascha: Ja Johannes, dem kann ich gar nicht viel hinzufügen.
Und das ist einfach das Motto ,Rostock bleibt bunt!’. Gerade an
so einem Tag wie der 1. Mai, wo die NPD hier 200 m weiter zum Aufmarsch
aufruft, ist es eine großartige Aktion hier finde ich. Und ich glaube,
diese Aktion, wie sie hier abgelaufen ist und auch immer noch abläuft
beweist auch, dass es richtig und wichtig so ist, was wir hier machen.
DGB-Jugend: Ist es euch als Künstler wichtig, dass
ihr politisch Stellung bezieht, gerade auch zum Thema Nazis?
Sebastian: Ja, wir wollen auf jeden Fall Stellung beziehen
gegen Nazis, deswegen sind wir ja auch hier. Allerdings ist das ne Sache,
die sich in solchen Aktionen hier wiederspiegelt und nicht beispielsweise
in den Texten oder in der Musik. Die Texte sind unpolitisch wobei du gewisse
Songs auch politisch deuten kannst. Aber das ist nicht der Schwerpunkt.
Wichtiger ist es, dann in diesem Fall wie heute hier, dabei zu sein und
Zeichen zu setzen.
DGB-Jugend: Macht ihr privat auch was politisches oder
engagiert ihr euch? Oder wann war z. B. eure letzte Demo? Wo, wann, wieso?
Volli: Demo ist ja für uns immer ganz klar, weil
wir aus dem Wendland kommen: Sobald die Kastortransporte rollen, müssen
wir auf die Straße. Da kann man ja nun nix zu sagen. Ich war mal
in ner Antifa. Aber auch allerdings nicht allzu lange, die haben mir zu
viel diskutiert. Da passierte irgendwie nix und dann bin ich da nicht
mehr hingegangen irgendwann.
Sascha: Ich war nicht in der Antifa aber das ist ja
jetzt sozusagen unser Privatleben hier. Wir haben ja keine Freunde mehr
oder so was, sondern wir machen nur noch das hier. Und dann ist es halt
wunderbar, wenn wir das verbinden können. Das heißt, wenn wir
mit der Band hier was dazu leisten können.
Nico: Ich habe ja auch gerade ne Aktion gegen Nazis
gestartet. Also ich habe einen Nazi angezeigt, weil der in der Disco ohne
Grund auf meinen Kumpel und unter anderem auch auf mich und auf ganz viele
andere einfach losgegangen ist. Komplett ohne Grund, einfach weil wir
lange Haare hatten, bin ich der Meinung. Und das ist mein politisches
Engagement gegen Nazis. Hier ist meine Narbe. (zeigt auf seine Lippe)
DGB-Jugend: Echt?
Nico: Ja. Wir haben nicht zurückgeschlagen, ich
denke auf jeden Fall, dass man Gewalt nicht mit Gewalt beantworten sollte.
Sebastian: Ich wollte auch in die Antifa, ich war zu
jung.
DGB-Jugend: Was meint ihr, warum die Nazis gerade bei
Jugendlichen so einen starken Zulauf haben. Habt ihr da vielleicht irgendwelche
Ideen, was der Grund sein kann?
Sascha: Also ich sehe da jetzt z. B. das Problem, weswegen
wir hier sind, dieses NPD-Problem, dass die „intelligenter werden“
in dem, wie sie anwerben. Sprich z. B. dieses ,sich vor Schulhöfe
stellen und CD’s und DVD’s mit Propagandazeug von denen zu
verteilen`, was auch Jugendliche anspricht und das hat Sebastian auch
vorhin schon erzählt. Wir haben vorhin im Fernsehen gesehen, da war
so ein Kinderfest von der NPD organisiert für kleine Kinder, die
dann da mit NPD-Fahnen rumgelaufen sind. Und da waren zwei ältere
Damen und die eine meinte dann so „Ja die Kinder freuen sich doch
und amüsieren sich doch, ist doch egal, von wem das organisiert ist.“
Und das hat uns ganz schön schockiert, dass jemand sich da hinstellen
kann und das so sehen kann. Und das ist ein Problem, dass die NPD jetzt
nicht nur stumpf ihre Parolen brüllt sondern das es im Grunde genommen
gefährlicher wird.
Johannes: Ja ich glaub das ist so der neue Trick von
diesen ganzen Rechtsparteien, dass die jetzt nicht mehr -so wie es eigentlich
zu denen gepasst hat- gewalttätig und brüllend durch die Straße
laufen, provozierend und provokativ. Sondern das die jetzt wirklich „schlauer
geworden“ sind und versuchen, auch an Jugendliche, an Kinder, an
wirklich kleine Kinder durch irgendwelche komischen Kinderfeste oder auf
Schulhöfen mit irgendwelchen ganz fiesen blöden Tricks werben
und auf sich aufmerksam machen. Ich finde, früher hat das viel besser
gepasst, dieses ganze rumgegröhle und diese Aggressivität, die
dann von so einem Nazimob ausgegangen ist, das hat zu denen gepasst. Aber
jetzt so dieses... Verstellt euch doch nicht! Seid doch so, wie ihr seid!
(lacht)
DGB-Jugend: Habt ihr vielleicht noch zum Schluss ein
Abschlussstatement, knackig auf den Punkt gebracht?
Nico: Ja immer schön Rockmusik hören, und
zwar die Linke.
Sebastian: Immer die Faust nach oben „Don’t
stop at the top“.
Sascha: Hoffentlich müssen wir in 5 Jahren über
den ganzen Quatsch gar nicht mehr reden sondern können einfach hier
friedlich sitzen.
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